Unternehmensverschuldung seit der Finanzkrise

Nach der Finanzkrise, die 2007 begann, hat sich die Weltwirtschaft ab 2009 über einen langen Zeitraum sehr robust entwickelt. Das hat insbesondere damit zu tun, dass neben der Staatsverschuldung insbesondere die Verschuldung der Unternehmen stark gestiegen ist: Hier der Link zu einem Artikel auf welt.de über einen Bericht des Internationalen Währungsfonds von Oktober 2019.

Zur Erklärung der Problematik versetze ich mich einmal in die Situation des Chefs einer börsennotierten Fluggesellschaft. Die Nachfrage nach Flugreisen ist groß und die Airline macht Gewinne. Da liegt es nahe, neue Flugzeuge zu beschaffen.

Flugzeuge sind allerdings teuer: Ein neuer Airbus A320neo kostet beispielsweise etwa 100 Millionen €. So viel Geld liegt typischerweise nicht in der Portokasse.

Zur Finanzierung des Kaufs könnte ich die Gewinnausschüttung an die Aktionäre streichen oder eine Kapitalerhöhung durchführen und neue Aktien ausgeben. In der Zeit bis Anfang des Jahres konnte ich aber auch zu sehr günstigen Konditionen einen Kredit aufnehmen. Ich muss dann zwar regelmäßig Zinsen und Tilgung bezahlen, aber das lässt sich mit dem bis vor kurzem zu erwartenden Gewinn aus dem Betrieb des Flugzeugs locker bezahlen. Noch eine weitere Möglichkeit wäre, den Airbus zu leasen.

Es sprach also eigentlich alles dafür, den Kauf über einen Kredit zu finanzieren oder zu leasen – und das haben die Fluggesellschaften auch so gemacht. Inzwischen stehen die Flugzeuge allerdings größtenteils irgendwo herum, und die Airlines können keine Gewinne mehr einfahren. Verkaufen lassen sich Flugzeuge aktuell auch nicht. Trotzdem müssen die Kredite aber bedient werden. Die regelmäßig zu zahlenden Kosten sind also deutlich höher, als wenn der Kauf mit Eigenkapital finanziert worden wäre, und eine Unternehmenspleite droht viel schneller. Man kann zwar noch versuchen, neue Kredite aufzunehmen, um die alten Schulden zu bezahlen, muss aber auch dann, wenn das klappen sollte, mit deutlich schlechteren Konditionen klarkommen.

Bei Leasingverträgen stehen die Airlines in dieser Situation etwas besser da, weil sie diese unter Umständen kündigen können oder jedenfalls nach der vereinbarten Vertragslaufzeit nicht mehr verlängern müssen. Den schwarzen Peter behalten dann die Leasinggesellschaften. Sie gehören in die Kategorie „andere Finanzunternehmen“, die in dem oben verlinkten Welt-Artikel erwähnt wird.

Tatsächlich haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmen insbesondere in den USA aus allen denkbaren Branchen nicht nur Kredite aufgenommen, um neue Investitionen zu bezahlen, sondern auch, um eigene Aktien zurückzukaufen: Dadurch stieg der auf eine einzelne Aktie entfallende Gewinn, der Aktienkurs und in sehr vielen Fällen auch die an die Kursentwicklung geknüpfte Vergütung des Unternehmensvorstands. Alle diese Unternehmen sind nun mit der Situation konfrontiert, dass sie bei sinkenden Gewinnen sehr schnell in der Pleite landen.

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