Vermögensabgabe als Lösungsansatz?

Immer wieder einmal wird aus verschiedenen Parteien und Verbänden die Forderung nach einer Vermögensabgabe oder einer Vermögenssteuer erhoben. Aufgrund der auf dieser Internetseite diskutierten Problematik ist sie gut nachvollziehbar. Dennoch halte ich diesen Ansatz für nicht zielführend. Dafür sehe ich vier Argumente:

1. Die konkrete Ausgestaltung ist sehr schwierig. Schon die Bemessung der in Deutschland von den Kommunen erhobenen Grundsteuer wirft größere Probleme auf. Bei einer Vermögensabgabe müsste von der Idee her nicht nur der Wert der in einem Ort vorhandenen Immobilien berücksichtigt werden, sondern auch der in anderen Städten und Ländern. Außerdem der Wert von Unternehmensanteilen und Wertpapieren, Edelmetallen, Kryptowährungen, Kunstwerken etc..

2. Angesichts der Schwierigkeit bei der Berechnung der zu zahlenden Abgabe und der sicher zu erwartenden Vermeidungsstrategien wäre das erwartbare Aufkommen aus der Erhebung einer Vermögensabgabe relativ gering.

3. In der Coronakrise beispielsweise ist es der Bundesregierung möglich, innerhalb kurzer Zeit Finanzmittel in unüberschaubarer und offenbar beliebiger Größenordnung zu organisieren – ganz ohne Vermögensabgabe.

4. In gewisser Weise gibt es bereits eine Art Vermögensabgabe – auf ganz freiwilliger Basis. Damit meine ich nicht einmal die Initiative Giving Pledge, also das Versprechen einer ganzen Reihe von sehr wohlhabenden Menschen, nach Möglichkeit mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Bei praktisch allen großen Vermögen ist es so, dass sie für den privaten Konsum – Wohnen, Lebensmittel, Vergnügen – gar nicht angetastet werden müssen. Sie nutzen ihren Besitzerinnen und Besitzern allein psychologisch, vermitteln eventuell eine gewisse Sicherheit und Selbstwertgefühl. Beides ist aber durchaus trügerisch. Sie sorgen auch für Beschäftigung, weil immer wieder überlegt werden muss, wie und wo angelegt und investiert werden soll, und verschaffen Vermögensberatern und Steueroptimierern ein Erwerbseinkommen. Der effektive Nutzen des Vermögens – jedenfalls für den Teil, der nicht irgendwie konsumiert wird – für seine Eigentümerinnen und Eigentümer ist aber sehr beschränkt, auch wenn sie das selbst in vielen Fällen gar nicht erkennen.

Viel effektiver als die Einführung einer neuen Abgabe wäre also eine offene Diskussion darüber, welchen Wert ein Vermögen überhaupt haben kann.

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